Am 23. Januar 2026 wartete Nadim Sadat – Geschäftsführer und Gründer der Firma NaSa Bauunternehmen GmbH & Co.KG aus Alsbach-Hähnlein mit einem ganz besonderen Vortrag für das Team auf: Die exklusive Präsentation seines autobiografischen Buches mit dem Titel Der Weg vom Flüchtlingskind zum Unternehmer.
Hier Auszüge aus seiner Präsentation:
„Dieses Buch erzählt nicht von Heldentum. Es erzählt von einem Kind, das überlebt hat. Von Flucht, von Neubeginn – und davon, was möglich ist, wenn Menschen Menschen bleiben. Es ist eine inspirierende Lebensgeschichte von Flucht, Lebensmut und unermüdlichem Einsatz auf dem Weg zum selbstbestimmten Unternehmertum.“
Zum Einstieg zitierte Nadim Margot Friedländer:
„Es gibt kein jüdisches Blut, kein christliches Blut, kein muslimisches Blut –es gibt nur menschliches Blut. Seid Menschen!“
Und weiter:
„Dieses Zitat steht ganz am Anfang meines Buches, weil es meine wichtigste Botschaft trägt: Menschlichkeit. Gerade dort, wo sie im Krieg, auf der Flucht oder in schwierigen Lebenssituationen oft verloren geht.
Das Buch beginnt mit meiner Kindheit in Afghanistan und beschreibt, was es bedeutet, als Kind im Krieg aufzuwachsen. Bomben, Angst und Verlust gehören ebenso dazu wie der frühe Abschied von einer unbeschwerten Kindheit.
Ich wurde eine Woche nach dem Einmarsch der Russen in Afghanistan geboren. Meine Kindheit begann nicht mit Spielzeug oder Schulheften, sondern mit Bombenlärm, Kellern und der ständigen Angst, ob man den nächsten Tag noch erleben wird.
Ein zentraler Teil des Buches widmet sich der Flucht. Diese Flucht war kein geplanter Aufbruch, sondern ein letzter Versuch zu überleben. Hunger, Angst, Unsicherheit und die Trennung von der Familie prägen diesen Abschnitt – ebenso wie das Gefühl, plötzlich allein in der Welt zu stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Neubeginn in Deutschland: das Leben im Jugendheim, das Erlernen der Sprache, Schule und Ausbildung. Das Buch zeigt sowohl die Schwierigkeiten von Integration als auch die große Bedeutung von Menschen, die helfen, unterstützen und an einen glauben.
Im letzten Teil geht es um Verantwortung: um Arbeit, Selbstständigkeit, Familie, Rückschläge und darum, was man aus einer zweiten Chance macht. Aus dem Flüchtlingskind wird ein Unternehmer – nicht als Ziel an sich, sondern als Ergebnis von Ausdauer, Disziplin und Unterstützung. Im Kern ist dieses Buch keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Geschichte über Menschlichkeit, Hoffnung und den Willen, weiterzugehen.
Ich kam mit 14 Jahren nach Deutschland – allein, ohne meine Eltern, ohne Deutschkenntnisse und ohne zu wissen, ob ich sie jemals wiedersehen würde.
Ich lebte in Jugend- und Flüchtlingsheimen, lernte eine neue Sprache und versuchte, in einem Land anzukommen, das mir zunächst völlig fremd war. Integration bedeutete für mich nicht nur, Deutsch zu lernen, sondern Vertrauen zu entwickeln – in andere und in mich selbst.
Ich machte meinen Schulabschluss, begann eine Ausbildung im Bauhandwerk, arbeitete parallel auf Baustellen und in Restaurants, wurde später Handwerksmeister und gründete schließlich mein eigenes Bauunternehmen.
Dieser Weg war nicht geradlinig. Es gab Rückschläge, bürokratische Hürden und persönliche Krisen. Aber es gab auch Menschen, die mir Chancen gegeben haben. Ohne sie wäre dieser Weg nicht möglich gewesen.
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil viele über Krieg, Flucht und Integration sprechen – aber wenige erzählen, wie es sich anfühlt. Ich wollte eine Stimme geben für all jene, die oft nur als Zahlen oder Schlagzeilen wahrgenommen werden.
Leseprobe:
„Ich erinnere mich an das Gefühl, als Kind den Himmel nicht mehr blau zu sehen.
Es war, als hätte der Krieg selbst die Farbe aus der Welt gesogen. Alles, was blieb, war das Zittern der Erde und der Geruch von Rauch, Staub und Angst. In solchen Momenten begreift man früh, dass Leben nichts Selbstverständliches ist.
Dass jeder Tag, an dem man atmen darf, ein Geschenk ist. Damals wusste ich noch nicht, dass diese Erkenntnis mich eines Tages tragen würde – über Grenzen, Sprachen und Schicksalsschläge hinweg – bis hierher, in ein Land, das mir eine zweite Chance gab.
Viele Menschen, die in Frieden leben, kennen Krieg nur aus Nachrichten, Filmen oder Schulbüchern. Sie sehen Bilder, hören Zahlen und lesen Schlagzeilen.
Aber sie riechen nicht den Rauch, sie spüren nicht die Hitze und sie hören nicht die Schreie.
Krieg ist kein Ereignis, das man beobachten kann.
Krieg ist ein Zustand, der sich in einen Menschen einbrennt.
Die Narben, die er hinterlässt, sieht man oft erst, wenn die Stille zurückkehrt.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch diese Distanz ein Stück kleiner macht. Dass Menschen innehalten und erkennen, wie wertvoll Frieden ist. Und dass sie begreifen, was es bedeutet, alles zu verlieren – und trotzdem weiterzumachen.
Dieses Buch will nicht erklären oder belehren.
Es will zeigen, was Krieg mit einem Menschen macht – und was Menschlichkeit bewirken kann. Es erzählt davon, dass Herkunft kein Schicksal ist. Dass Hilfe Türen öffnet. Und dass jeder Mensch mehr ist als das, was ihm widerfährt.
Am Ende bleibt genau das, womit das Buch beginnt:
Es gibt nur menschliches Blut. Und genau deshalb sollten wir Menschen bleiben.“
Dieses Buch ist meine Geschichte – aber vielleicht finden Sie darin auch ein Stück Ihrer eigenen. Vielen Dank fürs Zuhören. Ich freue mich auf Gespräche, Fragen und den Austausch mit Ihnen.“
Für den bewegenden Vortrag über sein Buch und seine Lebensgeschichte erhielt Nadim vom Team nicht nur Applaus, sondern standing ovations vom Team.